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Königinnen der Finsternis

Diesen Bericht hat mir im Dezember 2005 eine Freundin gegeben. Hier hab ich das erste Mal von Borderline gehört...

PSYCHOLOGIE

Königinnen der Finsternis

Wird ihr seelischer Druck unerträglich, fügen sich Borderline-Patientinnen Schmerz zu. Erst jetzt nimmt die Psychiatrie die Krankheit ernst

Montagmorgen, Damentoilette der Station P2 der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Kiel. Melanie K.* hat sich mit einer Rasierklinge lange, tiefe Kerben in den Oberarm geschnitten. Sie wird auf der P2 wegen einer »Borderline«-Persönlichkeitsstörung behandelt. Die Theorie besagt, dass Selbstverletzungen den Betroffenen helfen, eine schier unerträgliche emotionale Spannung abzuleiten. Die Kranken sind gewissermaßen so außer sich, dass sie sich Schmerz zufügen müssen, um in die Gegenwart »zurückzukommen«.

Auf der anderen Seite ist ihr Bewusstsein nicht so getrübt, dass sie sich nicht mehr an Regeln halten könnten. Melanie K. weiß, dass es verboten ist, blutend auf der Station herumzulaufen, weil das die anderen Patientinnen in eine Krise treiben könnte. Sie will ihren Therapieplatz nicht riskieren. Sie klingelt nach dem Pfleger, lässt sich verbinden, fährt zum Nähen in die Chirurgie.

Es ist diese Widersprüchlichkeit, die Freunde und Angehörige von Borderline-Patienten am meisten irritiert: Was tun diese mit Absicht, worüber haben sie keine Kontrolle? Warum fügen sie sich überhaupt Verletzungen zu? Kirstin Bernhardt, die 36-jährige Oberärztin der Station P2, stellt sofort klar, dass es hier nicht um Patientinnen geht, die sich nur ein bisschen zusammenreißen müssten, um keine Probleme mehr zu haben: »Wir sprechen über Menschen, die unter einem ungeheuren Leidensdruck stehen.« Die meisten haben mehrere Selbstmordversuche und unzählige Klinikaufenthalte hinter sich. »Ihre Krankenakten füllen Regalmeter«, sagt Bernhardt.

In der medizinischen Diskussion wird die Persönlichkeitsstörung Borderline mit einer ungünstigen Kombination biologischer und sozialer Faktoren erklärt: Wer genetisch vorbelastet ist, als Embryo im Mutterleib durch Alkohol geschädigt wurde und in der Kindheit oder Jugend ein tief verstörendes Erlebnis hatte – sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung –, ist besonders gefährdet. Ähnlich verheerend wie ein sexueller Übergriff können totale Missachtung, Abwertung oder Überforderung von Kindern durch ihre Eltern wirken.

Männliche Kranke richten Aggressionen eher nach außen – und landen im Knast

So war es bei Zoe, die gerade das dreimonatige stationäre Therapieprogramm der Kieler Klinik beendet hat. Sechzehnmal hat sie versucht, sich umzubringen, zum ersten Mal mit elf, nachdem ihre Mutter sie verprügelt hatte, weil dem Mädchen beim Abwaschen ein Glas runtergefallen war. »Ich war ein richtiges Asozialen-Kind«, sagt die mittlerweile 19-Jährige, und dass sie dabei ein schiefes Lächeln zeigt, darf man ebenso als Erfolg ihrer Therapie werten wie die Tatsache, dass sie gerade ihr Abitur in Angriff nimmt.

Sie kann heute distanziert über ihre Geschichte sprechen, über die immer neuen Männer der Mutter, die vielen Geschwister von unterschiedlichen Vätern (um die Zoe sich zu kümmern hatte); über den sexuellen Missbrauch durch den Mann ihrer Tagesmutter, die Überforderungsgefühle, wenn die Mutter der Zehn-, Elf-, Zwölfjährigen die komplette Hausarbeit aufbürdete. Und über die ständigen Selbstmordgedanken, die Magersucht, den Alkohol, die Tabletten, die Kliniken, Selbstverstümmelungen, Kliniken, Drogen, Kliniken.

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), entwickelt von der amerikanischen Psychiaterin Marsha Linehan, nach der in Kiel, aber auch in Berlin, Heidelberg, Mannheim, Aachen und Freiburg behandelt wird, setzt bei den Symptomen der Krankheit an: Zunächst soll sich, dringend, das Verhalten der Patientinnen ändern – damit sie sich nicht umbringen oder schweren körperlichen Schaden zufügen. Erst später, wenn sich ihr Zustand stabilisiert hat, wird über eine Traumatherapie nachgedacht. »Die DBT ist das am besten empirisch validierte Behandlungskonzept«, sagt der Mannheimer Borderline-Experte Martin Bohus.

In gewisser Weise hat Borderline die klassische Hysterie als seelische Frauenkrankheit abgelöst; mindestens siebzig Prozent der Betroffenen sind weiblich. Überwiegend tritt die Krankheit oder eine ihrer Vorstufen zwischen dem 12. und 45. Lebensjahr auf; von allen Frauen in dieser Altersgruppe sind laut Schätzungen gut vier Prozent betroffen. Männliche Erkrankte richten ihre Ausbrüche eher gegen die Außenwelt als gegen sich selbst. Sie sind häufiger in Gefängnissen zu finden als in Krankenhäusern – auch wenn ihre Störung die gleichen Ursachen hat wie die der Frauen.

Die Diagnose wird anhand eines Neun-Punkte-Katalogs gestellt

Im Gegensatz zu Sigmund Freud schenken Therapeuten ihren Patientinnen heute Glauben, wenn diese über sexuellen Missbrauch berichten. »Die permanente Entwertung durch ihre Umwelt, die Erfahrung, dass der Grund ihres Leidens systematisch geleugnet wird, hat ja gerade zur Krankheit geführt«, sagt Bernhardt. »Wir signalisieren den Patientinnen, dass wir sie grundsätzlich ernst nehmen.« Die unbedingte Parteilichkeit für die Patientinnen gehöre, sagt Martin Bohus, zu den »Grundannahmen« der DBT. »Behandle die Patientin so, wie du möchtest, dass deine Schwester oder beste Freundin behandelt wird.«

Die Behandlung der Krankheit verschlingt – unter anderem wegen häufiger Therapieabbrüche und Arztwechsel – rund drei Milliarden Euro im Jahr, das sind 15 Prozent aller Kosten, die für Psychiatriepatienten aufgewendet werden. »Diese Summe ließe sich halbieren, wenn stationäre Einrichtungen und ambulante Therapeuten besser vernetzt wären«, sagt Joseph Aldenhoff, der Chef der Kieler Klinik. »Gerade Borderline-Patientinnen beschäftigen oft eine Vielzahl von Therapeuten, Betreuern und Ärzten, sie geraten immer wieder in Krisen und müssen häufig zwangsweise eingewiesen werden. Unser therapeutischer Ansatz zielt darauf, die Zahl der stationär verbrachten Tage zu verringern und den Patientinnen schneller beizubringen, wie sie sich selbst schützen können.«

In Kiel wie anderswo wird die Diagnose Borderline anhand eines Neun-Punkte-Katalogs gestellt: Panische Angst vor dem Alleinsein gehört dazu, ein düsteres Selbstbild, Selbstmordgedanken und -versuche; schwer kontrollierbare Wutausbrüche, eine Neigung zum verschwenderischen Geldausgeben, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, ein Gefühl der Leere – und die gefürchteten »dissoziativen Zustände«, in die Traumatisierte geraten, wenn sie durch einen beliebigen Auslöser an ihr schlimmes Erlebnis erinnert werden. Wer fünf der neun Kriterien erfüllt, gilt als Borderline-positiv. Manche Patientinnen sind erleichtert, wenn sie endlich einen Namen für das verwirrende Muster ihres Verhaltens finden. Andere feilschen mit den Ärzten um das Vorliegen oder Nichtvorliegen einzelner Kriterien. Sabine S. zum Beispiel, eine Chemikerin, die nach ihrer ausgezeichneten mündlichen Diplomprüfung zusammenbrach und versuchte, sich das Leben zu nehmen, sagt: »Ich hatte zwar schon immer das Gefühl, irgendwie einen Knall zu haben. Aber ich finde mich in diesem Katalog einfach nicht wieder. Das bin ich nicht.«

Alternative zur Verstümmelung: Auf eine Chilischote beißen

Egal, nun ist sie hier, freiwillig, zwölf Wochen lang, auf einer offenen Station, die ein wenig an ein Internat erinnert. Es gibt Zwei-Bett-Zimmer, Ausflüge und Wochenendurlaube, jede Menge pädagogisches Personal – das Team aus Ärzten, Psychologinnen, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten. »Die Patientinnen haben ihr ganzes Leben lang etwas gelernt: Ich bin nichts wert, ich bin der letzte Dreck, der Missbrauch war meine Schuld und geschah mir ganz recht«, sagt die Oberärztin. »Und wir müssen ihnen nun alles neu beibringen.«

Ein saniertes Selbstbild steht auf dem Lehrplan – und Methoden, mit denen die Patientinnen einen Abstand zwischen sich und ihre selbstzerstörerischen Impulse legen können. Spannungstoleranz, Emotionsregulation, soziale Kompetenz, innere Achtsamkeit heißen die Fertigkeiten, die in Gruppensitzungen geübt und in Einzeltherapiegesprächen erläutert werden. Dienstags wird gemeinsam gekocht, donnerstags gebacken.

Wie in der Schule wird in der Pause geraucht, gibt es gute Lehrer und schlechte. Die Patientinnen merken genau, wo hart gearbeitet werden muss und wo die Gelegenheit zum Kichern und Auftrumpfen besteht. Was denkt die Chemikerin, wenn sie Memory spielen soll? Ist es hilfreich, Bäume zu umarmen? Muss das sein, vor jeder Sitzung beim Atmen »ein/aus, tief/ruhig, lächeln/ entspannen« zu denken?

Erklärtes Ziel der »Fünf-Sinne-Gruppe« und des »Achtsamkeitstrainings« ist es, den Kranken eine sicherere Wahrnehmung davon zu vermitteln, wie es ihnen tatsächlich geht. Sie dürfen sich ausdrücklich selbst verletzen, wenn sie keinen anderen Weg aus einem »dissoziativen Zustand« finden – aber Lernziel ist es, die Verletzungen durch etwas anderes zu ersetzen, durch das Beißen auf eine Chilischote, das Verreiben von Eiswürfeln auf der Haut, das Kneten eines Massageballs.

Jede Patientin stellt mit einer ihr zugeordneten Pflegekraft einen »Notfallkoffer« zusammen, der zehn individuell als wirksam erkannte Rettungsmaßnahmen enthält – bestimmte Musik, Atem- oder Visualisierungsübungen. Spürt die Patientin ein Ansteigen der inneren Spannung – etwa, wenn sie sich überfordert fühlt –, ist sie gehalten, die Tricks aus dem Koffer auszuprobieren, bevor sie sich verletzt. Allein durch diesen Zeitablauf wird manche Selbstverstümmelung vermieden.

Aber diese Strategie funktioniert nur, wenn die Patientin wahrzunehmen gelernt hat, wie ihr geschieht. Schlägt sie fehl, wie am Montagmorgen bei Melanie K., dann wird ein kompliziertes Verfahren in Gang gesetzt: Die Kranke schreibt ein Protokoll ihrer Krise und bespricht es mit der zuständigen Pflegekraft, mit zwei anderen Patientinnen und in der Einzeltherapie. Bei dem ganzen Prozess geht es darum, Distanz zum Geschehen herzustellen – darum, Worte für die stummen, gewaltigen Emotionen zu finden.

Selbstmord ist nicht erlaubt. Was auch immer sie sonst tun, die Patientinnen dürfen die Therapie nur beginnen, wenn sie einen Anti-Suizid-Vertrag unterschreiben. Aber hindert ein Stück Papier jemanden daran, sich von einem Hochhaus zu stürzen, wenn er verzweifelt ist? Anscheinend schon. Melanie K. erzählt ihrer Therapeutin von ihrem Montagmorgen: »Ich wollte mir Tabletten besorgen, wollte Schluss machen. Aber in der Apotheke kam mir der Gedanke: Non-Suizid-Vertrag.«

Dann habe sie Rasierklingen gekauft. »Das war ja auch ein schweres Wochenende für Sie«, sagt die Psychologin. »Was war da passiert?« Melanie K., körperbehindert, vom Onkel sexuell missbraucht, geplagt von inneren Stimmen, die auf sie einbrüllen, erzählt von ihrer Mutter, die sich mit der Krankheit der Tochter nicht abfinde. Von einem nervenaufreibenden Drei-Stunden-Termin mit dem Sozialpädagogen in der betreuten Wohneinrichtung, in die sie nach Ende des DBT-Programms ziehen wird. Von der Beziehung zu ihrem Freund, der Alkoholiker ist.

Der Freund mache ihr Vorhaltungen: Er trinke, weil er durch ihre Krankheit viel allein sei. Bei dem Versuch, mit ihm zu schlafen, fühlte sie sich schlagartig in die Missbrauchssituation zurückversetzt, sagt Melanie K. »Ein Flashback. Es war, als ob ich das alles gerade eben erst durchgemacht hätte.« Sie müsse – Achtsamkeit! – genau beobachten, ob ein guter Zeitpunkt für sexuelle Kontakte gekommen sei oder nicht, sagt die Therapeutin. Sie müsse mit ihrem Partner ein Stoppsignal vereinbaren, wenn sie nicht weitermachen wolle. Ihre Grenzen wahren. »Sie sind nicht schuld, dass er trinkt, Sie müssen deshalb nicht mit ihm schlafen.« Ja, sagt Melanie K.

Wie wird sie zurechtkommen, wenn sie die P2 verlässt? Im Moment lebt sie in einer Schutzzone, wo man sie versteht, wo ihre Körperbehinderung (ihr fehlt der linke Unterarm) keine Rolle spielt; wo keine Leistungskriterien angelegt werden. Nur die Frage ist hier stets im Raum, ob sie aufrichtig versucht, sich selbst zu helfen. Das tut sie. Aber wird es reichen für draußen?

Es ist vermutlich kein Zufall, dass viele Borderliner starke Hospitalisierungstendenzen aufweisen: Oft sind die professionellen Helfer die Einzigen, die sich auf Dauer diesen schwierigen Menschen zuwenden. Und so wirken die vielen Klinikaufenthalte auch als Schutz gegen das Leben in einer kalten Effizienzgesellschaft. »Das ist einer der Gründe, warum wir den Aufenthalt bei uns vertraglich auf drei Monate begrenzen«, sagt Bernhardt. »Die Krisen nehmen nämlich häufig zu, wenn eine Entlassung bevorsteht.«

Den Kieler Ärzten ist es freilich nicht gleichgültig, wohin ihre Patientinnen entlassen werden; bis zum Ende der Therapie muss die Wohnsituation geklärt sein. Viele Kranke haben keine eigene Wohnung mehr und keine Familie, zu der sie zurückkehren könnten. Für diese Frauen gibt es in einer 230000-Einwohner-Stadt wie Kiel verschiedene betreute Wohnmodelle, die sich auf Borderline- und Essstörungen spezialisiert haben. Die Kosten für einen teilstationären Aufenthalt mit therapeutischer Begleitung liegen bei etwa 60 Euro pro Tag und werden, je nach Lage der Betroffenen, entweder vom Sozialamt oder von der Bundesagentur für Arbeit übernommen, wenn die Patientin Empfängerin von Arbeitslosengeld II ist.

Ein Krankenhaus mit spezialisiertem Angebot muss darauf achten, dass sich in seinem Windschatten nicht zu viele Wohnangebote für die Zielgruppe etablieren. »Eine Art Borderline-Zuwanderung in die Stadt hätte nichts mehr mit gemeindenaher Psychiatrie zu tun«, sagt Kirstin Bernhardt. Sie kämpft auch deshalb für eine bessere Vernetzung der Therapieangebote, weil es gerade bei den Dauerwohneinrichtungen sehr unterschiedliche Qualitätsstandards gibt.

Nicht immer erscheint die Nachsorge aus Kliniksicht optimal. In Einrichtungen etwa, wo die Betreuer nur in der Woche tagsüber Dienst tun – die Abende und das krisenanfällige Wochenende werden mit Telefonkontakten überbrückt –, können sich jene Merkmale der Krankheit ungehemmt entfalten, die quasi jugendkulturellen Charakter haben: Natürlich wird bei dieser Lernkrankheit nachgeahmt, natürlich schaukeln sich die Patientinnen gegenseitig zu Katastrophenstimmungen hoch. Es gibt ein Phänomen bei Borderline-Erkrankten, das die Mediziner »Queen-of-Darkness-Syndrom« nennen: Jede will die Kränkste sein, diejenige, die am tiefsten schneidet, am wenigsten isst, das größte Mitgefühl verdient.

Fotos von Friedhöfen und Grabsteinen als Zimmerschmuck

Eine wahre Königin der Finsternis richtet sich selbstverständlich auch ihr WG-Zimmer angemessen ein: mit Fotos von nebligen Friedhöfen und Grabsteinen zum Beispiel, mit schwarzen Kerzen und Kreuzen und anderen düsteren Accessoires. An diesem Punkt wird augenfällig, dass es – nicht im seelischen Kern, aber gleichsam an der Oberfläche der Erkrankung – durchaus einen inszenatorischen Teil gibt, der fließend in »normale« Ausdrucksformen der Jugendkultur übergeht. »Letztlich sind Tätowierungen und Piercings an allen nur denkbaren Körperstellen ja auch nur eine Form der (gesellschaftlich akzeptierten) Selbstverletzung«, sagt Franz Resch, der Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Heidelberg.

Auf manchem Arm einer Borderline-Patientin sind Schnitte, die durchaus nicht immer schamhaft verborgen werden, säuberlich nebeneinander angeordnet wie ein makaberer Schmuck – kein Zeichen unkontrollierter Raserei, sondern planvolle Zeichnung des Körpers.

Was uns an der Krankheit bewegen muss, ist die Tatsache, dass der Wahnsinn, der unter dieser gestalteten Oberfläche wütet, gesellschaftlich mitverursacht ist. Es gibt Menschen – einen Täter oder ein ganzes Umfeld –, die schuld daran sind, dass andere Menschen so leben müssen: mit zerstörten Gefühlen, mit Selbstverachtung und dem verzweifelten Bemühen um Zuwendung.
Und eine wachsende Zahl von Eltern ist nicht mehr in der Lage, ihren Kindern die Liebe und Anerkennung zu geben, die ein Mensch zum unbeschadeten Aufwachsen braucht. Die Zahl der Borderline-Kranken wird nicht kleiner werden.

Quelle:  (c) DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48

5.2.11 23:55


Peter Detert ist tot...

 

Ihr kennt ihn sicher nicht. Peter Detert. Er war 2008 bei Stern TV und hat über seine Krankheit (Borderline...) und sein Buch gesprochen. Ich habe sein Buch gekauft und gelesen. Ein Jahr später hat er mir zufällig in meinem ersten Blog einen Kommentar hinterlassen- und auch seine Mail Adresse. Ich habe einige Mails mit ihm geschrieben. Das war Ende Oktober/ Anfang November. Ein halbes Jahr später (13.Mai 2010) hat er sich umgebracht... Erfahren hab ich das erst gestern. Eine Mittwitterin hat es mir gesagt, als ich etwas über Peter Detert bei Twitter schrieb. Ich hab das noch nicht gewusst...Ich bin seitdem total durch den Wind und ich hab extreme Angst...Angst vor mir selbst. Angst vor der Krankheit...Peter Detert war über acht Jahre "symptomfrei" und lebte normal bürgerlich. Doch dann ging es wieder bergab und er nahm sich sogar das Leben. Selbst viele Jahre "symptomfrei" heißt nicht "gesund". Die Krankheit ist unberechenbar und packt einem immer wieder aus dem Hinterhalt...

http://www.polylog.tv/videothek/videocast/15922/

Hier der Gästebucheintrag von meinem alten Blog http://bordergirl.myblog.de/

Ein kurzes Hallo
Ich finde es toll das du diesen Blog machst, sehr mutig und Mut machend für andere.
ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg.
ganz liebe grüße
Peter Detert

Peter Detert ( Email / Website ) 29.10.09 12:47

Und die Mails, die er mir geschrieben hat...

Liebe ******

in der tat bin ich es selbst. beim vorbereiten auf meine lesung in leipzig bin ich auf deinen blog gestoßen.gäbe es nur noch viel mehr von deiner sorte die so offensiv mit ihrer erkrankung umgehen. dafür schonmal meinen respekt. ich war bei polylux(den beitrag kann man sich noch anschauen) und auch bei stern-tv. ich habe mein buch immer als mut-mach-buch gesehn, nicht aufzugeben so nach dem motto "wenn der die kurve gekriegt hat dann schaff ich das ja wohl auch"aber ich freu mich über jede rückmeldung.(bei mir waren ca 95% positiv) und ich dachte mir das du dich auch über eine rückmeldung freust,schön das es so war. viele grüße aus hamm, peter

wie ich ja schon schrieb, bereite ich eine lesung in leipzig vor, das ist im übrigen auch zur zeit meine arbeit,die lesungen und das schreiben an einem zweiten buch ,und ich versuche bei meinen lesungen immer für mehr offen umgang mit borderline zu werben und da bringe ich gern beispiele wie deinen blog,ich suche im internet danach und so bin ich auf deinen gekommen.ja ich habe eine tochter die 14 (fast schon 15 wie sie immer betont) ist und die ich allein erziehe da die mutter leider sehr krank ist. das du die kurve auch noch bekommst, daran zweifele ich nicht, den mut sich der krankheit zu stellen hast du schon,der rest kommt dann ganz zwangläufig....wenn auch nicht von allein) lg peter

 

Liebe ******

ich versuche mal die fragen der reihe nach abzuarbeiten
ich schreibe zur zeit an einem roman der autobiographische züge hat.das hat den vorteil das ich auf das persönlichkeitsrecht nicht so achten muß wie in dem ersten buch und ich auch die möglichkeit habe mit fiktion noch manche dinge deutlicher zu machen.
es wird um borderline und andere psychische beeinträchtigung gehen verpackt in eine sehr spannende krimihandlung.je nachdem wie ich fertig werde wird es auch bei heyne im frühjahr 2011 erscheinen.plus-minus einem halben jahr.so ein buch ist ziemlich viel arbeit, hätte ich voher auch nicht gedacht ich bin nartürlich nicht symptomfrei, ich bin und bleibe borderliner mit allem was das bedeutet.auch ich sehe in der erkrankung nicht nur die schweren seiten sondern habe auch die stärken schätzen gelernt.wobei ich gelernt habe mit den schwierigen seiten umzugehn.und das gelingt mir schon recht lange sehr gut.
meine letzte krise liegt ca 10 jahre zurück.wobei mir klar ist das jederzeit eine kommen kann, so das es einige notfallpläne gibt
meine letzte therapie war die in warstein 2001, dort habe ich das
dbt-programm gemacht.3 monate lang.
die mutter meiner tochter ist nicht meine frau, meine tochter hat bei ihr gelebt bis vor 2 jahren, da ist sie zu mir gezogen.
vielen dank für das liebe angebot, aber meine tochter und ich kommen gut klar da werde ich vorraussichtlich keine hilfe brauchen, ich werde aber öfter von jonarlisten angesprochen ob ich kontakt zu anderen borderlinern machen könnte die bereit sind an die öffentlichkeit zu gehn.wenn das was für dich ist gebe ich das gern weiter.ansonsten hoffe ich das du deinen weg weiter gehst dann wird da schon genug gutes draus erwachsen
so ich hau mich jetzt auf das sofa und lass mich von einem meiner kater beschmusen
liebe grüße
peter

 

Liebe ******

nein du nervst mich nicht,ich habe nur nicht immer zeit sofort und lang zu antworten das musst du dann nicht persönlich nehmen. die meisten deiner fragen stehen ja auch in meinem buch das du ja nochmal lesen willst und so versaue ich dir mal nicht die spannung) ich will mal was zu dem sagen was du über dich geschrieben hast.das du oft aneckst und dir garnicht so klar ist warum eigentlich, du deine wirkung auf menschen anders erlebst als diese.und das die dieses anders sein offentsichtlich nicht so akzeptieren können.das alles macht dir dein leben doch nicht grade schöner,oder? wie man das nennt ob borderline oder komisch ist doch eigentlich egal wichtig ist doch zu lernen damit umzugehn und da ist, finde ich, die dbt-therapie ein gutes mittel. auch wenn es nicht auf anhieb und nicht immer klappt wird es meiner erfahrung nach mit der zeit leichter und wirkt auch besser,man muß nur drann bleiben.für mich war die diagnose am anfang nicht wichtig, da für mich nicht fassbar, später habe ich das aber als trößtlich empfunden das mein anders sein einen namen hat,und das es andere gibt den es änlich geht, es hat mir geholfen mich so zu akzeptieren.das mit dem alter ist auch kein problem ich fühl mich ja noch wie 20 ich fühl mich hallt nur nicht mehr so an) so hab ein schönes wochenende ich ess jetzt pizza mit meiner tochter. lg peter

Stern TV über Peter Deterts Tod

http://www.youtube.com/watch?v=ntagH22waqg

http://www.youtube.com/watch?v=yz_oeDiFyx0&feature=related

~R.I.P. Peter Detert~

7.2.11 21:02


Neues YouTube Video

Ich habe ein neues YouTube Video gemacht. Leider will myblog das Video nicht anzeigen. Deswegen nur der Link. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir sagt, was ihr von denm Video haltet

http://www.youtube.com/watch?v=PiWjum390pI

 

13.2.11 22:03


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